Spinat für die Kleinen: MSV Duisburg im Pokalfinale
Auch wenn der MSV in der selben Liga spielt wie die Fortuna und damit ein direkter Konkurrent ist, erscheint es mehr als erfreulich, einen Zweitligisten ins Pokalfinale einziehen zu sehen. Immerhin sind die Duisburger, wie wir, nicht auf Rosen gebettet, sondern sie lancieren sich selbst – und werden in der Fremdwahrnehmung wohl auch so gesehen - als graue Maus in einem Milliardenbetrieb, genannt Fußball. Nicht umsonst schreibt Der Spiegel von einem “Kleinen Club“, dem nun ein Millionenregen ins Haus steht.
Für die Stadt Duisburg ist es zudem ein mentales Wiederaufleben nach der Katastrophe der Love-Parade und wenigstens ein kleines Aufblühen im Alltagsgrau aus Haushaltssperre, Sozialproblemen, Islamismus, Strukturdefiziten und Armut. Bleibt zu hoffen, dass dieses “kleine Zubrot” mehr schafft als der “große Fußball” sonst in der Welt anrichtet, nämlich Zuversicht, neue Perspektiven und vielleicht auch ein aufpoliertes Image.
Dass Fußball nicht immer positivistisch ist und man daher vorsichtig mit geschürten Erwartungen sein sollte, zeigt eindrucksvoll die WM in Südafrika, die neben verschärften Sozialproblemen, gebrochenen Versprechen und dahinbröckelnder, leerer Stadien nicht viel an Aufschwung brachte. Von daher sollte man die Erwartungen natürlich nicht zu hoch stecken, es ist letztlich nur ein Pokalfinale.
Freuen darf man sich auf jeden Fall schon. Und das auch gerade als Düsseldorfer. Denn die künstlich hochgepuschte Rivalität zu Duisburg ist überflüssig und kurzsichtig. Konkurrenten sind die Duisburger zwar sportlich, überhaupt keine Frage, aber keinesfalls wirtschaftlich, strukturell und fantechnisch. Deren Konkurrenten sitzen im Ruhrgebiet, unsere in der Rheinschiene. Deren Fanbasis, deren Zielgruppe, deren Umfeld steht in direktem Konflikt mit den großen des Ruhrgebietes, Schalke und BVB. Unsere Fanbasis konkurriert mit den Rauteneseln, Leverkusen und einwenig mit Schalke (fragt mal die Ratinger), aber – selbst bei großzügiger Betrachtung – besteht kaum eine nennenswerte Konkurrenz mit Duisburg.
Dies sollte jedem klar sein, der den Erfolg des MSV neidet, jedem klar sein, der Duisburg als Hassprojektion zu verorten meint. Duisburg ist nicht der große Widersacher. Duisburg heißt vielmehr volle Spiele, Derby, sportliches Messen, zusätzliche Einnahmen. Für beide. Aber: Überleben, Abgraben der Fanbasis, Konkurrenz um Einzugsgebiete, mein Gott, da bereiten uns die drei anderen genannten Vereine viel mehr und gravierendere Probleme.
Und ja, aus genannten Gründen würde ich mich über einen Pokalsieg des MSV freuen und nicht über den von Schulden 04. Immerhin deren erster wichtiger Titel und vielleicht einwenig Spinat für “die Kleinen“, zu denen auch wir realistisch betrachtet mittlerweile gehören.

Da schreibst du schon einen Teil der Vorberichterstattung zum übernächsten Spieltag. Link steht schon im abgelegten Entwurf. ;-)
Volle Zustimmung. Freuen wir uns für die Nachbarstadt!
Yep
Berlin Berlin Wir fahren nach Berlin